Die Geschichte der Mutterrolle

Mutterbild, Frauenbild… den gemeinsamen Nenner zu suchen, könnte helfen.. 

Hinter uns liegen die Zeiten der Aufklärung, in denen das Körpergespür vom Verstand getrennt wurde. Die Ratio war der alleinige Wegweiser. Körper- und seelische Empfindungen galten als lästig und primitiv.  

Vor der Industrialisierung war es durch die große Armut in der Arbeiterschicht notwendig, dass Frauen wie Männer viel arbeiteten um ihre Kinder, die Älteren und sich mit Essen zu versorgen. Rentenansprüche, Elterngeld etc. gab es nicht. Allzu viel seelische Zuwendung gegenüber den Kindern und sich selbst war nicht üblich. Der Alltag war durch Krankheiten, die sich in einer hohen Kindersterblichkeit widerspiegelten, gekennzeichnet.  

 

Mutterschaft und die Industrialisierung

Mit dem Aufstieg des Bürgertums in der Industrialisierung wurde der Mann zum finanziellen Grundversorger. Die Frau blieb zu Hause bei den Kindern, war für die Erziehung und den Haushalt zuständig. Hier entstand der Begriff der „Mutterliebe“ der schnell mit „freudiger Hingabe“ und „Aufopferung“ verknüpft wurde. Diese festgeschriebenen Rollenbilder wurden auch im 19. Und 20. Jahrhundert gesamtgesellschaftlich weitergelebt. Bauersfrauen und Arbeiterinnen jedoch befanden sich im Konflikt dieser Rollenerwartung und Wirklichkeit, denn ihre ökonomische Situation war mehr wie schwierig. 

Selbstaufgabe für den Erhalt und Wachstum des Volkes

Die Vertreter des Nationalsozialismus nahmen dieses Frauenbild, der sich selbst aufgebenden Ehefrau und Mutter auf, zusätzlich war sie jetzt auch für den „Erhalt der arischen Rasse“ zuständig. Frauen ohne Kinder galten laut Hitler nicht als richtige Frauen. Damals gängige Verhütungsmittel konnten kaum erworben werden, auf Abtreibung stand die Todesstrafe. Der Beruf der Frau war die Ehe, die alleinig der Fortpflanzung diente. Wurde vorher ein Beruf erlernt, war es der der Pflegenden, Erzieherin u.a. die, die „Frau“ auf ihre Aufgabe im Zusammenleben mit einem Mann vorbereitete. Geehrt wurden Frauen, die sich besonders um den Erhalt der arischen Rasse kümmerten und mehrere, gesunde und rassenreine Kinder hatten mit dem Mütterkreuz in Bronze (4-5 Kinder), Silber (6-7 Kinder) und gold (8 + x Kinder). 

Selbstbestimmte Familienplanung

Freiheit für die Frau? 

Ab dem 1. Juni 1961 wurde die erste Pille in Deutschland an erstmal nur verheiratete Paare verkauft.  

Elisabeth Badinter schreibt dazu 2010 in der Welt: „Ende der siebziger Jahre, als die Frauen zum ersten Mal über Mittel verfügten, ihre Fortpflanzung zu kontrollieren, kämpften sie für ihre grundlegenden Rechte, für ihre Freiheit und ihre Gleichheit (mit den Männern), und glaubten, dass sie diese mit dem Muttersein vereinbaren könnten. Letzteres war mit einem Mal nicht mehr das einzig Wichtige im Leben einer Frau. Eine Vielfalt an Lebensweisen tat sich den Frauen auf, die ihren Müttern noch undenkbar erschienen war. Sie konnten nun ihren persönlichen Ambitionen den Vorrang geben, unverheiratet bleiben und ein kinderloses Leben mit einem Partner genießen, oder sie konnten ihren Wunsch nach Kindern befriedigen und dabei berufstätig sein oder auch nicht. 

In den 70 und darauffolgenden Jahren setzten sich starke Vorreiterrinnen unserer Frauengeneration für die Rechte der Frauen ein.  Zum Beispiel die Doktorin der Gesundheitswissenschaften und Hebamme Clarissa Schwarz für einen würdevollen Umgang mit Frauen verstorbener Kinder bei oder vor Geburt. Ein weiteres Beispiel die Frauen- und Medizinhistorikerin Barbara Duden, setzte sich für ein Recht auf Selbstbestimmung der Frauen in der Medizin z.b beim Thema der Abtreibung ein. Viele weitere Lebensläufe von Frauen waren und sind geprägt von einem Streben die Frauenbedingungen zu verbessern, alte normierte Strukturen aufzuweichen und fordern die Vielfalt des Frauenbildes ein.  

In ihrem Buch „Das Unwohlsein der modernen Mutter“. Mareice Kaiser Zeit wie Mütter versuchen im Leben und noch mehr seit der Zeiten der Pandemie versuchen allen Rollen gerecht zu werden. Benachteiligung von Menschen die mit Kindern leben, Sexismus an Frauen, inklusive Gesellschaft, Hauptlast der Krise auf Schultern der Mütter. Der Verlag gab zu bedenken, Die Zielgruppe hätte keine Zeit das Buch zu lesen. Das zeigt die immernoch 

An Hand unserer Geschichte sehen wir, dass Rollenbilder von uns Menschen, der Sozialpolitik, der Ökonomie in dieser Zeit, geprägt, akzeptiert oder verändert werden. 

     

    Ein Blick nach Außen

    Muttersein in Frankreich

    In Frankreich ist die Kinderzahl pro Frau höher. Die gleichzeitige volle Erwerbstätigkeit von Männern und Frauen ist mit Kindern höher wie in Deutschland. Betreuungsstrukturen, wie die école maternelle“, können Kinder ab 2 Jahren aufsuchen. Ganztagesbetreuungen sind gesellschaftlich anerkannt, der Begriff der „Rabenmutter“ ist dort wenig gebräuchlich. Eine Mutter ist eine Mutter und gleichzeitig auch eine Frau mit anderen Bedürfnissen. In Deutschland entscheiden sich wegen dieser immer noch gefühlten DiskrepanzMutter oder eigene berufliche Weiterentwicklung“ auf Grund der fehlenden Vereinbarkeit häufiger gegen Kinder wie in Frankreich. 

    Muttersein in Schweden

    In Schweden werden kaum Überstunden geleistet, die bloße Anwesenheit wird im Gegensatz zu unserer Kultur nicht mit Produktivität gleichgesetzt. Flexibilität, damit Väter wie Mütter die Möglichkeit haben, einen Nachmittag mit der Familie auf dem Spielplatz zu verbringen oder ein krankes Kind abholen zu können, sind selbstverständlich. 

    Make motherhood great again?

    Gegenbeispiele wären die USA, in denen es keinen „payed leave“ nach der Geburt eines Kindes gibt oder in Italien in denen die Familienpolitik die letzten Jahre es immer noch den Frauen schwer macht gleichzeitig zu arbeiten und eine Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder zu finden, geschweige denn gibt es ein Elterngeld wie wir es kennen.  

    Und Frauen, die derzeit flüchten müssen oder in Ländern mit niedrigem Einkommen leben, haben derzeit meist gar keine Wahlmöglichkeit in Sachen Bildung, Kinderbetreuung und Weiterentwicklung.  

    Der Blick das Hier und Jetzt

    Eine Pandemie und die Familie

    Laut aktuellem Gesundheitsreport Deutschland waren und sind Frauen in der Pandemie stärker belastet wie Männer.  

    In den USA waren ¾ der Arbeitnehmer, die im Homeoffice arbeiten konnten, Männer. Frauen arbeiten immer noch häufig in den unterbezahlten „Care“ Jobs und übernehmen überwiegend die Sorgearbeit zu Hause. 

    Laut Gesundheitsreport schafft es die Mehrheit der Befragten im Frühjahr 2021, unabhängig vom Geschlecht, nicht ihre Akkus aufzuladen. 60% keine Möglichkeit diesen Stress zu reduzieren. Viele sitzen bis zu 10,5 Stunden am Tag. Bewegungsmangel und Stress sind große Hauptthemen unserer Gesellschaft.  Sorge macht zudem, dass viele Deutsche kein ausreichendes Bewusstsein für Gesundheit haben. Frauen kümmern sich zudem immer noch mehr um Gesundheitserhaltung als Männer. 

    Die vielen Studien der Stressforschung zeigen auf, dass chronischer Stress einer der Hauptfaktoren in der Ausbildung von Krankheiten wie Herzerkrankungen, hormonellen Ungleichgewichten und einem schwächeren Immunsystem etc. sind. Zudem lässt dauerhafter Stress unser Körpergefühl und das „Spüren von sich selbst “, das Gefühl sich somit um seinen Körper kümmern zu wollen, weniger werden.  

    Wo wollen wir als Gesellschaft, egal ob Mann oder Frau hin? 

    Da wir gerade in einer Grundlegenden Wandlungsphase stecken, die wir häufig als ungeordnet wahrnehmen, nennt der Neurobiologe Hüther zwei wichtige Ziele für das heutige Zusammenleben einer Gesellschaft. Die gemeinsamen Nenner zu definieren, sich dafür einzusetzen und die Potentialentfaltung des Einzelnen was wiederum der Gesellschaft zu Gute kommt. Es braucht für eine gesunde Gesellschaft, gesunde Individuen. Er spricht von eigener Potentialentfaltung, statt Spalierobsterziehung. Im Gegensatz zur Akkordarbeit des Industriezeitalters sollte dies die „Maxime“ unserer Zeit sein. 

    Der Mensch pendelt immer zwischen Bedürfnissen der Autonomie, Selbstentfaltung, Exploration und der Bindung, Teil einer Familie, einer Gruppe zu sein, hin und her. Das Gehirn sucht beide Zustände. 

    Wenn für viele Probleme unserer Gesellschaft chronischer Stress, Taktung sowie zu wenig Bewegung ist könnten wir als Gesellschaft die nachhaltige Gesundheitsförderung als gemeinsamen Nenner definieren. Das Gleichgewicht zwischen zu viel und zu wenig rein zu bringen. Die Disziplin der Gesundheitsfürsorge, „public health“, befasst sich genau damit und mit Verhinderung von Krankheiten, Verlängerung des Lebens durch organisierte Anstrengungen der Gesellschaft. 

    Die Sozial- und Gesundheitspolitik Finanzen frei und den gesetzlichen Rahmen festlegen und vielfältige Modelle zulassen. Zum Beispiel flexiblere Möglichkeiten für Schichtarbeiter, Alleinerziehende, unversicherte 450,- Eurojobs abschaffen, damit Frauen und natürlich auch Männer nicht in der Armut landen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit und vor allem ein lebenswerter Lohn für Alle im jeweiligen Land. 

    Wir als Menschen egal ob männlich, weiblich, homo-, heterosexuell, queer u.w. müssen in unseren täglichen Beziehungen dafür einstehen, dass sich etwas ändert und uns solidarisieren. Wir müssen uns miteinander an den Tisch setzen, die Bedürfnisse eines jeden Beteiligten formulieren und dann dafür eintreten, dass jeder sein Potential entfalten kann. Zu Hause, in der Kommune, auf europäischer Ebene und global. 

    Ein Blick auf die Grundbedürfnisse

    Dazu kommt die Solidarität mit denen die es nicht einfach haben, die nicht leisten können für eine gewisse Zeit oder gar nicht mehr leisten können…nachhaltige Netzwerke spannen, sich wieder mehr umeinander und die Umwelt kümmern. Dies sind die Grundlagen unserer Solidargemeinschaft….Wissen, Information in Handlung umwandeln. 

    Helfen könnte dabei ein Blick auf unsere 6 Grundbedürfnisse. Der Coach und Neurolinguistiker Tony Robbins formuliert sie so: 

    • Sicherheit und Geborgenheit 
    • Abwechslung und Herausforderung 
    • Anerkennung 
    • Liebe und Verbundenheit 
    • Wachstum und Weiterentwicklung 
    • Beitrag für die Gemeinschaft 

      Schwangerschaft

      Mehr Informationen in der uma App

      Umfangreichere Informationen zu Themen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett findest du bald in der uma App.

      Dort findest du zukünftig studienbasierte und gesicherte Informationen rund um das Thema Schwangerschaft und Geburt. Und noch Vieles mehr.

       

      Die Autorin dieses Textes:

      Kathinka Sperling

      Kathinka Sperling

      Kinderkrankenschwester und M. Sc. Midwifery & Hebamme

      Das vereinen der Individuellen Bedürfnisse der Frauen/Familien, das Erfahrungswissen als Fachperson und die Umsetzung neuer wissenschaftliche Erkenntnisse, sind für mich der Weg in der heutigen Schwangerschaftsbegleitung und Geburtshilfe.

      Quellen:

      Akademie der Potentialentfaltung. Gerald Hüther. Homepagelink: https://www.gerald-huether.de/akademie-fuer-potentialentfaltung/ 

      Potential. Menschen sich selbst ändern lassen GedankenGut Podcast mit Gerald Hüther, Folge 42. Special. https://www.youtube.com/watch?v=0W86oOo1dj4 

      Potentialentfaltung – Was wir sind oder was wir sein könnten. Ein Vortrag mit Gerald Hüther. https://www.youtube.com/watch?v=3Bn6RzBZlJ4 

      Flexibiliät und Feierabendbier von Ricarda Richter (2019).  https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-05/ueberstunden-schweden-eugh-arbeitszeiterfassung-freizeit 

      Eine Abrechnung mit dem veralteten Mutterkult von Elisabeth Badinter (2010) 

      Der vorliegende Text ist ein Vorabdruck aus dem am 31. August erscheinenden Buch „Der Konflikt“ von Elisabeth Badinter; Verlag C.H. Beck, München 2010 

      https://www.welt.de/debatte/kommentare/article9284089/Eine-Abrechnung-mit-dem-veralteten-Mutterkult.html 

      Wikipedia. Mutterkreuz. https://de.wikipedia.org/wiki/Mutterkreuz#Zweck_des_Ehrenkreuzes 

      Rabenmutter-contra-Mere-Poule von Kerstin Ruckdeschel (2009). https://www.bib.bund.de/Publikation/2009/Rabenmutter-contra-Mere-Poule.html?nn=9751912 

      Familienbilder in Deutschland und Frankreich. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen, und Jugend. https://www.bmfsfj.de/resource/blob/76252/0c016a5969e447087f8a6b6883a06d80/monitor-familienforschung-ausgabe-34-data.pdf 

      Mutterliebe – Geschichte eines Gefühls vom 17. Jahrhundert bis heute von Elisabeth Badinter (2002). Piper, 2002, ISBN 3-492-21491-6. 

      Was Frankreich und Schweden besser machen. https://www.handelsblatt.com/politik/international/demografie-was-frankreich-und-schweden-besser-machen/3533626.html 

      Geschichte des Körpers. Für uns war die Medizin Hauptkampfplatz. Barbara Duden im Interview mit Ina Freudenschuß. (2014).https://www.derstandard.at/story/1389857846625/schwangere-koennen-sich-nicht-mehr-auf-ihre-sinne-verlassen 

      Gesundheitsreport Deutschland der DKV und der Sporthochschule Köln (2021). 

      https://www.dshs-koeln.de/aktuelles/meldungen-pressemitteilungen/detail/meldung/wie-gesund-lebt-deutschland-1/ 

      https://www.handelsblatt.com/politik/international/demografie-was-frankreich-und-schweden-besser-machen/3533626.html

      Geschichte des Körpers. Für uns war die Medizin Hauptkampfplatz. Barbara Duden im Interview mit Ina Freudenschuß. (2014).https://www.derstandard.at/story/1389857846625/schwangere-koennen-sich-nicht-mehr-auf-ihre-sinne-verlassen

      Gesundheitsreport Deutschland der DKV und der Sporthochschule Köln (2021).

      https://www.dshs-koeln.de/aktuelles/meldungen-pressemitteilungen/detail/meldung/wie-gesund-lebt-deutschland-1/